3CX SIP-Trunk einrichten — Übersicht
Ein SIP-Trunk verbindet 3CX über das Internet mit dem öffentlichen Telefonnetz und ersetzt klassische ISDN- oder Analog-Anschlüsse. Diese Seite erklärt die Funktionsweise, den generellen Einrichtungsweg über Provider-Templates und verlinkt zu den anbieterspezifischen Anleitungen.
Wofür ist das und wann brauche ich das?
Ein SIP-Trunk wird bei jeder 3CX-Installation benötigt, die nach aussen telefonieren und von aussen erreichbar sein soll — er ersetzt die physische Amtsleitung. Ohne Trunk kann 3CX nur intern zwischen Nebenstellen vermitteln.
Was ist ein SIP-Trunk?
Technisch ist ein SIP-Trunk eine registrierte oder statisch authentifizierte SIP-Verbindung zwischen Ihrem 3CX-Server und dem Provider-Netz. Vorteile gegenüber klassischen Leitungen: Kanäle (gleichzeitige Gespräche) lassen sich flexibel skalieren, internationale Rufnummern sind einfacher zu bekommen, und die Integration mit 3CX ist nativ statt über Zwischenhardware (Gateway).
Voraussetzungen
- Aktiver SIP-Trunk-Vertrag bei einem Provider mit Zugangsdaten
- 3CX-Edition, die Trunks unterstützt — bei den meisten Business-Providern ist mindestens die PRO Edition vorausgesetzt, teils nur für dediziert selbst gehostete Installationen (nicht „Hosted by 3CX")
- Firewall-Zugriff, um die benötigten Ports freizugeben
- Stabile, möglichst statische öffentliche IP-Adresse — viele Provider erwarten das für die Registrierung
Generelle Einrichtung über Provider-Templates
- Trunks & Chat → + Trunk → Neuen Trunk hinzufügen
- Land und, falls in der 3CX-Liste vorhanden, Provider auswählen — das offizielle Template füllt SIP-Server, Ports und Codec-Einstellungen automatisch aus
- Ist der Provider nicht gelistet (z. B. weil er ein Template zurückgezogen hat oder neu ist): über Erweitert → Vorlagen ein vom Provider bereitgestelltes Template importieren
- Im angelegten Trunk die Account-spezifischen Zugangsdaten im Tab Allgemein eintragen: Trunk-Hauptnummer, Authentifizierungs-ID (SIP-Nutzer-ID), Authentifizierungspasswort, Registrar/Server und Ports — diese liefert ausschliesslich der Provider im jeweiligen Kundenportal, nicht 3CX
- Zugewiesene Rufnummern im Tab DID-Nummern hinterlegen und im Tab Optionen die Routing-Parameter prüfen; die Ziel-Weiterleitung (Rufgruppe, Warteschleife oder digitale Rezeption) wird anschliessend in der Anrufverwaltung konfiguriert, ausgehende Regeln separat unter Ausgehende Regeln
- Testanruf durchführen — sowohl eingehend als auch ausgehend
Benötigte Firewall-Ports
| Port(s) | Protokoll | Zweck |
|---|---|---|
| 5060 | UDP | SIP-Signalisierung |
| 5060–5061 | TCP | SIP-Signalisierung (TCP/TLS) |
| 9000–10999 | UDP | RTP-Audio, 2 Ports je gleichzeitigem Gespräch |
Trunk registriert sich nicht oder meldet 401 Unauthorized?
Fehlercode-Tabelle (401, 403, 407, 408, 480, 488, 503), Diagnose-Entscheidungsbaum und ein durchgerechneter Praxisfall — für den Moment, in dem der Trunk akut nicht funktioniert.
Zur Fehlerdiagnose →Anbieter im Wiki
Deutsche Telekom CompanyFlex
NGN-SIP-Trunk für Deutschland, PRO/AI Edition, dedizierter Server.
Zur Anleitung →Swisscom Enterprise SIP
SBC-basiert über Lan2Lan/MPLS, nur On-Premise, E.164-Pflicht.
Zur Anleitung →Anzahl Kanäle richtig dimensionieren
Ein Trunk-Kanal entspricht einem gleichzeitig führbaren Gespräch. Zu wenige Kanäle führen bei Lastspitzen zu Besetztzeichen für externe Anrufer, zu viele Kanäle kosten unnötig. Faustregel für eine erste Schätzung: Anzahl gleichzeitig telefonierender Mitarbeiter zur Spitzenzeit plus 20–30 % Reserve für Warteschlangen und Konferenzen. Bei Warteschlangen/Call-Center-Betrieb genauer anhand realer Anrufstatistiken (Erlang-Berechnung) planen statt zu schätzen.
Redundanz und Failover
Für geschäftskritische Telefonie empfiehlt sich ein zweiter Trunk bei einem unabhängigen Provider als Fallback. 3CX unterstützt die Priorisierung mehrerer Trunks in den Ausgehenden Regeln — bei Ausfall des primären Trunks springt der sekundäre automatisch ein. Wichtig: Der Fallback-Trunk sollte über eine unabhängige Internetanbindung erreichbar sein, sonst hilft die Redundanz bei einem lokalen Netzwerkausfall nicht.
Häufige Fehler und Lösungen
Trunk registriert sich nicht
Zugangsdaten Zeichen für Zeichen mit dem Provider-Portal abgleichen (Verwechslungsgefahr bei Benutzername vs. Hauptrufnummer), Firewall-Ports prüfen, und klären, ob der Provider eine statische öffentliche IP voraussetzt. Ausführliche Fehlercode-Tabelle (401, 403, 407 u. a.) und Entscheidungsbaum: SIP-Trunk-Fehlerdiagnose.
Ausgehende Anrufe funktionieren, eingehende nicht
Meist ist die DID-Rufnummer im Tab „DID-Nummern" des Trunks nicht korrekt hinterlegt oder in der Anrufverwaltung keiner Rufgruppe/Warteschleife/digitalen Rezeption zugeordnet.
Schlechte Sprachqualität nur bei diesem Trunk
Codec-Aushandlung prüfen — manche Provider bevorzugen G.729 (bandbreitensparend, aber komprimiert) gegenüber G.711 (unkomprimiert, aber mehr Bandbreite). Im Trunk-Template die Codec-Reihenfolge anpassen.
Nach der Einrichtung: worauf achten?
- Notrufnummern testen — je nach Land und Provider gelten gesonderte Anforderungen an die Standortübermittlung bei Notrufen; vor dem Produktivbetrieb explizit prüfen und dokumentieren.
- Fax-Bedarf klären — nicht jeder Trunk unterstützt T.38-Fax zuverlässig; wird noch gefaxt, vorab beim Provider erfragen.
- Rufnummernanzeige (CLI) verifizieren — ausgehende Anrufe sollten die korrekte Hauptrufnummer anzeigen, nicht eine interne Nebenstellennummer oder „unbekannt".
Weiterführend
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